Extrawurst

von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob

Extrawurst

Ein neuer Grill soll angeschafft werden. Einer, der auf mehreren Stufen viele Würstchen, Steaks und Koteletts gleichzeitig schafft. Matthias, Vize-Vereinsvorsitzender eines Kleinstadt-Tennisclubs, hat eine PowerPoint-Präsentation vorbereitet, der Grill ist sein ganzer Stolz. Der machtverwöhnte Langzeitchef Heribert will den Beschluss durchwinken, da meldet sich die erfolgreichste Spielerin. Melanie gewinnt mit ihrem Doppelpartner Erol einen Preis nach dem anderen. „Wäre es nicht eine nette Geste für unsere türkischen Mitglieder, wenn wir für die noch einen zweiten Grill dazu holen?“, fragt sie. „Aber wir haben doch nur ein türkisches Mitglied. Und, Erol, hast du ein Problem mit dem Grill?“, wendet Heribert ein. „Nee, Leute, meinetwegen müsst ihr keinen Extragrill anschaffen. Ich hab da kein Problem mit.“                                            

Wenn Kleinigkeiten hochkochen             

Aber Melanie beharrt darauf, einen zweiten Grill anzuschaffen. Es geht ihr um Respekt. Denn Erol kann als gläubiger Moslem nichts von einem Grill essen, auf dem auch Schweinefleisch zubereitet wird. So wird aus einer Kleinigkeit eine grundsätzliche Debatte. Bald brechen Ängste und Vorurteile hervor, die zunächst unter der freundlichen Oberfläche verborgen blieben.                                      

„Ich glaube, dass es uns gelungen ist, die derzeitige Diskussion, die in Deutschland sehr stark ist, mit dem Stück einzufangen. Das heißt diese Mechanismen von Erregung und von Hochkochen von Kleinigkeiten“, sagt der Autor des Stücks, Dietmar Jacobs. Er zählt zu Deutschlands Top-Autoren im Kabarett. Er schreibt für viele Satiresendungen im Fern-sehen, u.a. "Stromberg".

 „Extrawurst“ ist eine Komödie mit Abgründen, die zeigt, wie sich eine harmlose Diskussion verselbstständigt. 

„Die Trennlinie zwischen rechten und linken Positionen, zwischen moralischen und unmoralischen Positionen, geht ja nicht nur durch eine Wählerschaft oder durch eine Gesellschaft, sondern geht ja oft durch Personen selber durch“. Eigentlich ist die Lösung diskutieren, sich zuhören, das alles mit dem Willen, sich nicht zu zerlegen, sondern zu sagen, wir können uns trotzdem noch in die Augen schauen. Und wir können auch bei einer kontroversen Diskussion noch Freunde bleiben und können einen Club aufrecht erhalten. So wie wir ein Land aufrecht erhalten können.“    so Jacobs

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