Das große Heft

von Ágota Kristóf

Das Grosse Heft 1C Olivia Pum

Das große Heft 

von Ágota Kristóf  

Zwei Brüder, Zwillinge, wachsen auf in kriegerischen Zeiten, reifen hinein in die Erfordernisse ihrer garstigen Umgebung. Auf den flehentlichen Wunsch ihrer Mutter bietet die verschrobene Großmutter eine karge Überlebensgrundlage. „Zuneigung“ findet darin keinen Platz. Sie sorgt für das zum Überleben Notwendigste, verweigert aber ihren Enkeln jegliches Gefühl von Geborgenheit. Die Zwillinge sind ununterscheidbar „wir“. Mit wacher Neugier beobachten sie die Geschehnisse der Erwachsenenwelt, sind angetrieben von einem nie versiegenden Wissensdurst. Sie wollen die Welt, auch die, in der der Mensch des Menschen Wolf ist, erfassen. Alle Beobachtungen werden von ihnen akribisch in ihr „Großes Heft“ eingetragen. Sie erlegen sich gegenseitig „Übungen zur Abhärtung des Körpers“ auf, ebenso „Übungen zur Abhärtung des Geistes“, zuletzt erweitern sie ihr Spektrum um die „Übung in Grausamkeit“. Sie fallen durch einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn auf. Sie stehen, wenn es ihrem Überleben nicht entgegensteht, Schwächeren ohne großes Gerede bei. Ihre Versprechen werden gehalten.

Am Ende der Geschichte schicken sie ihren überraschend auftauchenden Vater wissentlich in ein Minenfeld. Nach der hörbaren Explosion riskieren sie das Unmögliche: aus „wir“ wird „ich“ und „ich“. Einer nutzt das durch den Vater geopferte frei gesprengte Minenfeld um ins Nachbarland zu fliehen. Der Andere bleibt zurück.


Gefördert durch: Landeshauptstadt Hannover, Kulturbüro und Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur 

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